Wie das Seilerhandwerk der Reeperbahn ihren Namen gab
Wer Reeperbahn sagt, denkt meist an Theater, Musikclubs und Nachtleben. Der Name der Hamburger Straße verweist jedoch auf ein Handwerk, das viel Platz brauchte und eng mit Hafen und Schifffahrt verbunden war. Am Sonntag erinnert ein ausverkaufter Rundgang des Museums für Hamburgische Geschichte an diese frühen Kapitel. Die Route führt vom Holstenwall zur Millerntorwache und behandelt die Zeit von 1626 bis 1826.
Reeperbahn begann als Arbeitsort
Reepschläger und Seiler stellten Taue her, die vor allem auf Schiffen gebraucht wurden. Dafür drehten sie einzelne Fasern und Stränge auf langen, geraden Bahnen zu belastbaren Seilen. Nach Angaben der Stadt Hamburg konnten solche Reepe bis zu 300 Meter lang sein. Enge Werkstätten reichten für diese Arbeit nicht aus.
Die räumliche Entwicklung hing mit dem Ausbau der Hamburger Befestigungen zusammen. Zwischen 1616 und 1625 entstanden neue Wallanlagen. Handwerke und Einrichtungen, die viel Raum beanspruchten oder innerhalb der Stadt unerwünscht waren, verlagerten sich vor die Tore. Um 1630 zogen auch Reepschläger in den Vorort Hamburger Berg, aus dem später St. Pauli wurde. Die älteren Arbeitsbahnen am Eichholz waren zu klein geworden.
Vom Handwerksweg zur berühmten Straße
Die heute bekannte Straße wurde nach der Darstellung der Stadt um 1820 oder 1830 angelegt und hieß zunächst Altonaer Allee. Ihren späteren Namen erhielt sie von den Seilerbahnen. Auch die parallel verlaufende Seilerstraße bewahrt diese Herkunft im Stadtplan. Damit ist die Bezeichnung Reeperbahn ein Stück Wirtschafts- und Alltagsgeschichte, das bis heute sichtbar geblieben ist.
Parallel zum Handwerk wuchsen Gastwirtschaften, Herbergen und Unterhaltungsangebote. Der Hamburger Berg lag zwischen Hamburg und Altona und zog Menschen an, die innerhalb der befestigten Stadt keinen Platz fanden. Nach der französischen Besatzungszeit wurde der zuvor zerstörte Vorort wieder aufgebaut. 1833 erhielt er den Namen St. Pauli; 1894 wurde er Hamburger Stadtteil.
Jubiläumsprogramm schaut auf Verdrängung
Das Museum für Hamburgische Geschichte nimmt das 400-jährige Jubiläum zum Anlass, die Geschichte nicht allein als Abfolge populärer Vergnügungsorte zu erzählen. Sein Programm verfolgt die wiederholte Verlagerung des Seilerhandwerks und fragt, wie Arbeit, Stadtplanung und soziale Ausgrenzung das Viertel formten. Der Rundgang am Sonntag dauert 90 Minuten und konzentriert sich auf die ersten zwei Jahrhunderte.
- Die Reepschläger brauchten lange, gerade Arbeitsbahnen.
- Ihre Taue waren für die Schifffahrt und damit für die Hafenstadt wichtig.
- Stadtmauern und Platzmangel drängten das Gewerbe vor die Tore.
- Straßennamen wie Reeperbahn und Seilerstraße halten die Erinnerung wach.
Das Jubiläum rückt damit eine einfache, aber oft übersehene Verbindung ins Zentrum: Hamburgs bekannteste Ausgehstraße trägt den Namen körperlicher Arbeit. Wer ihre Kulturgeschichte verstehen will, muss deshalb nicht erst bei Clubs und Theatern beginnen, sondern bei Hanf, Seilen und den langen Bahnen der Reepschläger.
Quellen
- 400 Jahre Reeperbahn – Teil 1: 1626 bis 1826 – Stiftung Historische Museen Hamburg · abgerufen am 30. Aug. 2026
- Die Geschichte der Reeperbahn – Freie und Hansestadt Hamburg · abgerufen am 30. Aug. 2026
- 400 Jahre Reeperbahn – Freie und Hansestadt Hamburg · abgerufen am 30. Aug. 2026
- Barock und Rokoko in Hamburg – Geschichtsbuch Hamburg · abgerufen am 30. Aug. 2026